Vincenzo Floridia,
oder die letzte Rose von Noto

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"Sein oder Schein!"Heimat Gesellschaft MafiaItalien Sizilien Noto Eisenbahn –  Langzeitbeobachtung

Vincenzo Floridia... - Der Film

Weit ab von den Metropolen Europas, auf der Höhe Nordafrikas lebt und arbeitet Vincenzo Floridia. Er ist Lokführer auf Sizilien. Über 10 Jahre arbeitete er in Norditalien, bevor er 1987 nach Sizilien, in seine Heimatstadt Noto zurückkehrte.

Ausgehend von Vincenzo Floridia, seiner Arbeit, seinen Freunden, öffnet sich der Film, hin zu einem Gesellschaftsporträt des heutigen Siziliens. Anhand genauer Beobachtung des Alltagslebens, der Vitalität und Menschlichkeit Vincenzos und der anderen, wird eine fatale Situation von 'Ruhe in der Hoffnungslosigkeit' deutlich. Ein Zustand, den schon Elio Vittorini in anderer Form in seinem Roman "Conversazione in Sicilia" Ende der 30er Jahre beschrieb.

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lexikon des internationalen films

filmdienst

SICILIA LIBERTARIA

 


lexikon des internationalen films - Vincenzo Floridia...

Das Porträt einer Generation noch junger Sizilianer, die sich in der Fremde dazu entschieden haben, trotz mangelnder Perspektiven in ihre Heimat zurückzukehren. In unspektakulären Alltagsbeobachtungen beschreibt der Dokumentarfilm das Leben und die Gedanken nachdenklicher Menschen in der faszinierend schönen Landschaft; er berichtet aufmerksam und in vielen Details von Werten, die das Leben in Sizilien lebenswert machen.

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filmdienst 6/96 - Vincenzo Floridia... - 31 832  

Am Anfang von Giuseppe Tornatores "Allen geht's gut" (fd 28 685) steigt Marcello Mastroianni in einen kleinen sizilianischen Triebwagen, um seine über ganz Italien verstreuten Kinder zu besuchen. Wer jung ist und Träume hat, der muß Sizilien in Richtung Norden verlassen. Entweder geht die Reise nach Norditalien oder aber über das große Wasser. Das ist schon lange so. Benjamin Geissler porträtiert in seinem Dokumentarfilm einen jungen Sizilianer, dem es nicht anders erging - und zwar schon seit Generationen: Die Mutter war in Amerika, geboren wurde Vincenzo in Melbourne, wo seine Eltern Arbeit gefunden hatten. Doch waren seine Eltern bald nach seiner Geburt nach Sizilien zurückgekehrt, das Heimweh war zu groß. Vincenzo und viele seiner Altersgenossen haben Sizilien wiederum verlassen - und sind nun als Mittdreißiger, zurückgekehrt nach Noto, nach Ragusa, nach Syrakus. Warum geht man als noch junger Mensch zurück in eine Region, in der es nach wie vor kaum Perspektiven auf Arbeit und Entwicklung gibt? Vincenzo Floridia, der in Norditalien zum Lokomotivführer geworden ist, beantwortet die Frage: Das Leben ist spontaner in Noto und die Verbundenheit mit Familie und Freunden groß. Man begegnet im Film etlichen dieser Heimkehrer: einer arbeitet als Bäcker, einer ist Fotograf, ein anderer schimpft über die umweltverpestende Petrochemie, einer der wenigen Arbeitszweige Siziliens.

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Gemeinsam ist all diesen Freunden und Arbeitskollegen von Vincenzo, daß sie sich ihrer Lage in Sizilien sehr bewußt sind. Es sind nachdenkliche Menschen, die der Film in der wunderschönen sizilianischen Landschaft aufspürt. Der Werkstattleiter gibt ohne Umschweife zu, daß der Lokomotivbestand, den er verwaltet in einem katastrophalen Zustand ist. Oft hat eine Lok einen Tag nach der Reparatur schon wieder eine Panne. Der Fotograf beschreibt die Situation in der er ein für ihn sehr wichtiges Bild aufgenommen hat. Menschen vor einer Kirche, eintönige Stimmung, Einsamkeit macht sich breit. Da beginnt ein Mädchen in einem weißen Kleid zu tanzen. Es steht dem Fotografen für den Wiedergewinn von Vitalität, für ein wiedererwachenden Ausbruch von Lebensfreude. Vincenzo Floridia ist ein solch lebensfroher Mann. Er hat Spaß an seinem Beruf - er fährt jetzt Triebwägen von Noto nach Syrakus und zurück. Die tägliche Reise durch die Landschaft, auf die Geisslers Film mitnimmt, läßt keine Klaustrophobie aufkommen. Es sind Details, aber sie zeigen, was das Leben für Vincenzo in Sizilien lebenswert macht: ein Witz mit seinem Co-Piloten auf der Fahrt, eine kurze Begegnung beim Schichtwechsel, das Telefongespräch mit seiner Frau, die Erinnerungen seiner Freunde an die gemeinsame Kindheit und an ihr Wiedersehen irgendwo in Italien.

Geissler gelingt es, ohne jeden Kommentar das filmische Porträt einer Generation zu zeichnen. Es sind Sizilianer, die sich in der Fremde entschieden haben zurückzukehren, der Mafia zum Trotz. Vincenzos Freund, der Bäcker, hat auf die Mafia eine Antwort gefunden: Sie besteht seiner Meinung nach darin, für das Sein und nicht den bloßen Schein zu leben.

Geissler vermeidet Klischees und läßt nichts Verklärendes sich in sein Bild des Lebens in Sizilien einschleichen. Wenn ein Zug auf einem Bahnhof eine halbe Stunde lang steht, dann wird daraus bei ihm kein liebenswürdiges Charakteristikum einer Gegend, sondern ein Gesprächsanlaß mit den nervösen Reisenden. Daß die Mafia die Regierung selbst sei, die sich weigere, etwas gegen die eigentlichen Probleme Siziliens zu unternehmen, ist da von Reisenden zu hören. Die unspektakulären Alltagsbeobachtungen finden aber dann doch noch einen überraschenden Höhepunkt, dem sich auch der Titel des Films verdankt. Ein Stück technischen Fortschritts erreicht Vincenzos Heimatort Noto: der Bahnhof von Noto wird wie alle anderen Stationen auf der Linie nach Syrakus automatisiert. Staat des Stationsvorstehers werden die Bahnschranken in Zukunft per Knopfdruck aus Syrakus geschlossen. Es sei doch bekannt, sagt einer der Bahnarbeiter abgeklärt, daß technischer Fortschritt einen Rückschritt für die Beschäftigungslage bedeute. Was der Stationsvorsteher in Zukunft machen wird, erfährt man nicht. Aber daß es vielleicht die letzte Rose aus dem Bahnhofsgarten von Noto ist, die er Vincenzo an seinem letztem Arbeitstag schenkt. Geissler hatte sich vorgenommen, von den Menschen in Sizilien und ihrem Alltag jenseits der touristischen Perspektive zu berichten. Das ist ihm gelungen.

Manfred Hattendorf

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SICILIA LIBERTARIA No.142 , Apr./96 - Vincenzo Floridia...

...im Film gibt es einen großen Protagonisten. Die Wüste: Der einsame Bahnübergang auf dem Land, unterbrochen vom Quitschen, der sich von Hand schließenden Schranken; Der Bahnhof, der wegen "Automatisierung" geschlossen wird; Die Barockstadt Noto, die eingerüstet zusammenfällt (man sieht die Kathedrale ein paar Monate vor ihrem erbärmlichen Einsturz im März 1996); Der abgelegenste Industriekomplex Europas, der zur Fabrik der Arbeitslosen, zum Garten des Alteisens, geworden ist. Und dann gibt es die Perlen: Das Fest von San Corrado (Sankt Konrad), aufgenommen in all seinem Heidentum, mit den Gesichtern, den Gesten, den Schreien der "Träger". Ein wirklich unvergeßlicher Eindruck.

Es gibt den arabischen Schrei des ambulanten Straßenhändlers; es gibt die Worte, oder besser, die Windungen der Worte des Eisenbahntechnikers der den Bahnhof automatisiert. Eine Szene, die den hochmütigen Gebrauch einer pseudo-technologischen Sprache und die ruhige Darstellung des Fortschritts mit der Konsequenz des Verlusts der Arbeitsplätze zeigt.

... Die "Ruhe in der Hoffnungslosigkeit", ein sich wiederholendes Zitat von Vittorini, wird sichtbar, aber als Alternative taucht aus den Gesprächen und Bildern auch die Hoffnung und Klarheit von dem auf, was zu tun ist. Und für einen Bahnhof, auf dem es keine Rosen mehr geben wird, gibt es eine Welt, die noch pulsiert und leben will, auch wenn sie abgetaucht ist, in tausende von Widersprüchen. Pippo Gurrieri

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Festivalteilnahmen

Osnabrück, Tage des unabhängigen Films 1996

Göttingen, Inventur 3 - Filmschau Niedersachsen 1996

Freistadt, Österreich, Festival - Der neue Heimatfilm 1996

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Stabliste

Vincenzo Floridia, oder die letzte Rose von Noto

Dokumentarfilm von Benjamin Geissler

mit Vincenzo Floridia - (Thomas Wolff), Carlo Assenza, Corrado Assenza, Pippo Gurrieri - (Christian Brückner), Giuseppe Leone - (Leon Boden) sowie Vincenzo Cimò, Francesco Floridia - (Christian Brückner), Salvatrice Leone, Laura Bufalino -(Traudel Haas) u.v.a.

Idee, Regie: Benjamin Geissler

Kamera: Giancarlo Pancaldi, Benjamin Geissler

Ton: Andrea Masciocchi, Peter Stockhaus

Regieassistenz: Nadia Malverti

Standfotografie: Walther Dal Pesco

Schnitt: Benjamin Geissler

Mischung: Michael Bohle

Produktionsleitung: Peter Stockhaus

Redaktion: RAITRE Giovanni Tantillo

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Texte aus "Conversazione in Sicilia" von Elio Vittorini

auf deutsch erschienen bei Manesse Zürich unter dem Titel "Gespräche in Sizilien"

Wir danken der MedienWerkstatt Linden / Hannover, der Michael Eiler Synchron, Berlin, und allen anderen, die die Realisierung des Films unterstützt haben und ganz besonders  
Lelia Panza.

Eine Benjamin Geissler Filmproduktion

mit Mitteln der Niedersäsischen Filmförderung und RAITRE

© 1995 Benjamin Geissler Filmproduktion

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Technische Daten - Vincenzo Floridia, oder die letzte Rose von Noto

Länge auf Video (VHS + Beta SP / Digi-Beta) und DVD: 69'40" Min. , Farbe / Format: 1:1,66

Drehort: Sizilien, Februar - Juli 1995

Originalfassung: Italienisch, Sizilianisch

Zweikanalton: CH1: Deutsche Voice Over Fassung, CH2 : Italienische Originalfassung

Deutsche Fassung: Italienisch, Sizilianisch mit Deutscher Voice Over

Englische Fassung: Italienisch, Sizilianisch mit englischen Untertiteln

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Vertrieb - Vincenzo Floridia, oder die letzte Rose von Noto

Weltvertrieb

Benjamin Geissler Filmproduktion

Grandweg 90 B

D-22529 Hamburg

Tel.: +49 - 40 - 551 66 82

info(at)benjamingeissler.de

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